Donnerstag, 24. November 2016

Die lineare Interpolationsmethode im Vergabeverfahren

Soll in einem Vergabeverfahren neben dem Angebotspreis auch die Leistung in Form von Leistungspunkten berücksichtigt werden, dann kann die Wirtschaftlichkeit nur über die Zuschlagsformel einer Bewertungsmethode ermittelt werden. Und hier muss der Auftraggeber im Vorfeld eine bewusste Entscheidung für eine Bewertungsmethode treffen.

Eine gängige und beliebte Bewertungsmethode bei Vergabeverfahren ist die Umrechnung der Angebotspreise in Preispunkte durch eine lineare Interpolation bei der der günstigste Angebotspreis die maximale Preispunktzahl erhält und ein fiktives Angebot mit einem Angebotspreis vom Zweifachen des günstigsten Angebotspreises 0 Preispunkte erhält, dazwischen wird linear interpoliert. Angebote, die teurer als das fiktive Angebot sind, erhalten ebenfalls null Preispunkte.




Für die Zuschlagsentscheidung wird eine Gesamtpunktzahl aus der Summe der gewichteten Leistungspunkte und der gewichteten Preispunkte betrachtet.



Da in dieser Bewertungsklasse Preis- und Leistungsterm mit Gewichtungsfaktoren versehen sind, können Preis und Leistung mit unterschiedlichen Gewichten in die Bewertung einfließen. Soll z. B. dem Preis eine deutlich größere Bedeutung bei der Wertung zukommen, so könnte eine Gewichtung des Preises mit 70 % und eine Gewichtung der Leistung mit 30 % wünschenswert sein. Auch der umgekehrte Fall ist denkbar, bei dem die Leistung stärker Berücksichtigung finden soll und der Preis mit 30 % und die Leistung mit 70 % gewichtet werden soll.

Beispiel

Gewertet werden sollen drei Angebote mit den folgenden Angebotspreisen und Leistungspunkten.


Das preisgünstigste Angebot A erhält die maximale mögliche Preispunktzahl von 100 Punkten. 0 Punkte erhält ein fiktives Angebot mit dem Doppelten des niedrigsten Angebotspreises. Dazwischen wird linear interpoliert. Grundsätzlich gilt bei dieser Methode im Bereich der Angebotspreise zwischen dem niedrigsten Angebotspreis und dem 2-fach niedrigsten Angebotspreis der einfache Zusammenhang: Ein x% vom niedrigsten Angebotspreis teureres Angebot erhält x% weniger Preispunkte.

Transformation der Angebotspreise in Preispunkte durch Interpolation

Gewichtung von 60% Preis und 40% Leistung

Gewichtung von 60% Preis und 40% Leistung

Bei einer Gewichtung von 60% Preis und 40% Leistung erhält Angebot A (rot) mit einer Gesamtpunktzahl von 84 Punkten den Zuschlag.

Gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm


Gewichtung von 40% Preis und 60% Leistung


Gewichtung von 40% Preis und 60% Leistung
Bei einer Gewichtung von 40% Preis und 60% Leistung erhält Angebot B (grün) mit einer Gesamtpunktzahl von 79,5 Punkten den Zuschlag.

Gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm

Gewichtung von 35% Preis und 65% Leistung


Gewichtung von 35% Preis und 65% Leistung
Bei einer Gewichtung von 35% Preis und 65% Leistung erhält das leistungsstärkste Angebot C (blau) mit einer Gesamtpunktzahl von 81,2 Punkten den Zuschlag.

Gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm
Literaturhinweise:
  1. Ferber in: Müller-Wrede, Malte (Hrsg.). VgV Kommentar (ISBN 978-3-8462-0556-3), 01/2017, § 58 Abs. 2 S. 1 VgV.
  2. Schäffer/Ferber. Zur (Un-)Zulässigkeit gängiger Wertungsmethoden, Vergabe Fokus 6/2016.
  3. Ferber. Vor- und Nachteile verschiedener Wertungssysteme, Vergabe Fokus 6/2016.
  4. Ferber. Das Rätsel „Preis-Leistungs-Verhältnis", Vergabe Navigator, Sonderheft 2016.
  5. Ferber. Was bedeutet „Preis-Leistungs-Verhältnis“ im Vergaberecht, blog.cosinex.de, 15.11.2016. 
  6. Ferber. Ein neuer Begriff von Wirtschaftlichkeit, Vergabe Navigator, Heft 3/2016, S. 5-10.
  7. Ferber. Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren, (ISBN 978-3-8462-0471-9), 10/2015 Bundesanzeiger Verlag.

Seminar Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen

Das Seminar Praxisratgeber Vergaberecht - Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen behandelt die Besonderheiten der Bewertungskriterien und Bewertungsmatrizen in Vergabeverfahren:
  • Welche Kriterien sind neben dem Preis möglich und erlaubt? 
  • Transparenzgebot 
  • Die richtigen Kriterien finden, Wirtschaftlichkeit der Angebote 
  • Ausschlusskriterien, Bewertungskriterien, 
  • Gewichtung von Kriterien 
  • Preis-Leistung 
  • Richtwertmethode, erweiterte Richtwertmethode, gewichtete Richtwertmethode 
  • Mittelwertmethode, Medianmethode, Referenzwertmethode 
  • Interpolationsmethoden, Preisquotientenmethode
  • Vor- und Nachteile, Besonderheiten der verschiedenen Methoden, Störanfälligkeit und Stabilität der Methoden 
  • Erstellen von Bewertungsmatrizen, Notenskalen 
  • Vermeiden von Komplexität, Analyse von Bewertungsmatrizen 
  • Auswertung mit Hilfe von Bewertungsmatrizen 
  • Rechtsprechung Beispiele und Tipps für die Praxis



Die Vorteile der Seminarreihe Praxisratgeber Vergaberecht:
  • anschauliche und realitätsbezogene Darstellung
  • aktuelle Beispiele und Tipps aus der Praxis
  • kleine Gruppen mit maximal 10 Teilnehmern
  • Zeit für Fragen und Diskussionen
  • umfangreiche Seminarunterlagen als PDF

Weitere Informationen zum Seminar und die Möglichkeit zur Anmeldung:

http://praxisratgeber-vergaberecht.de/seminar-bewertungsmatrizen.html




Die nächsten Termine:
08.12.2016 Darmstadt: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
16.02.2017 Leipzig: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
09.03.2017 Stuttgart: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
11.05.2017 Leipzig: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
18.05.2017 Stuttgart: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
22.06.2017 Hamburg: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
14.09.2017 Stuttgart: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
21.09.2017 Berlin: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
28.09.2017 Köln: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen

Buch Bewertungskriterien und -matrizen im Vergaberecht



Thomas Ferber
Bewertungskriterien und -matrizen im Vergaberecht
ISBN: 978-3-8462-0471-9
458 Seiten (Hardcover)
79,00 Euro (inkl. MwSt)
Bundesanzeiger Verlag

Direkt beim Bundesanzeiger Verlag bestellen.










Dienstag, 22. November 2016

Seminar Praxisratgeber Vergaberecht - Bieterstrategien am 01.12.2016 in Stuttgart

Das Seminar "Praxisratgeber Vergaberecht - Bieterstrategien" zeigt:
  • wie man Ausschreibungsunterlagen analysiert und die Sprache der Ausschreibung versteht, 
  • formale Fehler in Ausschreibungen vermeidet, 
  • durch die richtige Strategie bei Bieterfragen die eigene Position stärkt und dem Wettbewerb keine Informationsvorteile verschafft, 
  • fehlende Leistungsfähigkeit und Fachkunde durch Nachunternehmen und Bietergemeinschaften ausgleicht, 
  • das Angebot bzgl. Zuschlagskriterien und Bewertungsmatrizen optimiert, 
  • Nebenangebote strategisch einsetzt, 
  • elektronische Vergabe und elektronische Signatur verwendet sowie 
  • durch Präqualifikation zum Nachweis der Eignung den Aufwand deutlich reduzieren kann. 
Termin: 01. Dezember 2016, Maritim Hotel Stuttgart, Seidenstr. 34, 70174 Stuttgart



Die Vorteile der Seminarreihe Praxisratgeber Vergaberecht:
  • anschauliche und realitätsbezogene Darstellung
  • aktuelle Beispiele und Tipps aus der Praxis
  • kleine Gruppen mit maximal 10 Teilnehmern
  • Zeit für Fragen und Diskussionen
  • umfangreiche Seminarunterlagen als PDF


Die Buch- und Seminarreihe "Praxisratgeber Vergaberecht" versteht es, das Thema Vergaberecht aus dem Paragrafen-Dschungel zu befreien und anschaulich und realitätsbezogen darzustellen. Wer den Praxisbezug dieses eher trockenen Themas sucht, findet ihn hier.

Teilnahmegebühr:
Die Teilnahmegebühr beträgt pro Teilnehmer und Seminar 590,- Euro zuzüglich MwSt. (702,10 Euro inkl. MwSt.) und beinhaltet die Seminarunterlagen sowie Pausengetränke und ein Mittagessen.

Das Schulungsangebot der Firma Praxisratgeber Vergaberecht Thomas Ferber e.K. richtet sich ausschließlich an Unternehmen, juristische Personen des öffentlichen Rechts und öffentlich-rechtliche Sondervermögen und nicht an Verbraucher im Sinne des Gesetzes.




Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter www.praxisratgeber-vergaberecht.de

Anmeldung


Mehrtägige Seminarekombinationen

Die Seminare der Seminarreihe "Praxisratgeber Vergaberecht" können modular zu mehrtägigen Seminaren zusammengestellt werden, die sich ideal ergänzen.





Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter www.praxisratgeber-vergaberecht.de


Montag, 21. November 2016

Intensivseminar Einführung in das Vergaberecht + IT-Vergabe am 29.11. - 30.11.2016 in Stuttgart

Das zweitägige Intensivseminar vermittelt sowohl Auftraggebern als auch Bietern die Grundprinzipien des deutschen und europäischen Vergaberechts und beschäftigt sich aus Auftraggeber- und aus Bietersicht mit allen Phasen der Ausschreibung insbesondere mit den Besonderheiten bei IT-Ausschreibungen.

Im Einzelnen werden behandelt:
  • Grundlagen des Vergaberechts 
  • Wertgrenzen und Schwellenwerte 
  • Schwellenwertberechnung 
  • Auftragsarten und Vergabearten 
  • Vergabeunterlagen, Leistungsbeschreibung 
  • Ablauf im Vergabeverfahren
  •  Fristen, Termine und Dringlichkeiten 
  • Formale Anforderungen, Eignungskriterien 
  • Bieterfragen 
  • Anforderungen an die Bieterangebote 
  • Zuschlagskriterien, Bewertungskriterien und Bewertungsmatrizen 
  • Bewertungsmethoden, einfache Richtwertmethode, erweiterte Richtwertmethode
  • Zuschlag und Aufhebung 
  • Rüge und Nachprüfungsverfahren 
  • Anforderungen an die Dokumentation 
  • Besonderheiten der IT-Vergabe bei Hardware-Beschaffung, Software-Beschaffung, Beschaffung von Wartung und Dienstleistung,  Software-Erstellung, IT-Systembeschaffung 
  • IT-Leistungsbeschreibung, 
  • produktneutrale vs. herstellerspezifische Leistungsbeschreibung 
  • IT-Vertragsrecht, EVB-IT, IT-Rahmenverträge 
  • Teststellungen und Proof of Concept
  • Beispiele und Tipps für die Praxis

Das zweitägige Intensivseminar findet vom 29.11. bis zum 30.11.2017 im Maritim Hotel in Stuttgart statt.




Die Vorteile der Seminarreihe Praxisratgeber Vergaberecht:
  • anschauliche und realitätsbezogene Darstellung
  • aktuelle Beispiele und Tipps aus der Praxis
  • kleine Gruppen mit maximal 10 Teilnehmern
  • Zeit für Ihre Fragen und Diskussionen
  • umfangreiche Seminarunterlagen als PDF
Zielgruppe:
Auftraggeber, die IT-Vergaben vorbereiten und durchführen sowie Bieter, die sich an IT-Ausschreibungen beteiligen.



Teilnahmegebühr:
Die Teilnahmegebühr für das Seminar beträgt pro Teilnehmer 1.050,- Euro zuzüglich MwSt. (1.249,50 Euro inkl. MwSt.) und beinhaltet die Seminarunterlagen sowie Pausengetränke und Mittagessen an beiden Seminarteagen.

Das Schulungsangebot des Fachverlags Thomas Ferber richtet sich ausschließlich an Unternehmen, juristische Personen des öffentlichen Rechts und öffentlich-rechtliche Sondervermögen und nicht an Verbraucher im Sinne des Gesetzes.

Anmeldung




Seminartermine:
29.11. - 30.11.2016 in Stuttgart
31.01. - 01.02.2017 in Darmstadt
21.03. - 22.03.2017 in Darmstadt
16.05. - 17.05.2017 in Stuttgart
15.08. - 16.08.2017 in Darmstadt
19.09. - 20.09.2017 in Berlin
05.12. - 06.12.2017 in Stuttgart



Donnerstag, 17. November 2016

Anmerkungen zum Beschluss Z3-3-3194-1-28-07/16 der Vergabekammer Südbayern vom 30.8.2016

Die pauschale Kritik und die erheblichen Zweifel der Vergabekammer Südbayern in ihrem Beschluss vom 30.8.2016 (Z3-3-3194-1-28-07/16) an der gängigen Interpolationsmethode sowie der gängigen Preisquotientenmethode hat Verwirrung und Verwunderung in der Vergabepraxis erzeugt und zu vielen Anfragen von Vergabepraktikern an mich geführt.

Als Autor des Buchs "Bewertungskriterien und Bewertungsmatrizen", sowie als Diplom-Mathematiker erlaube ich mir die folgenden Anmerkungen zum Beschluss Z3-3-3194-1-28-07/16 der Vergabekammer Südbayern. Im Detail nachzulesen:
  1. Schäffer/Ferber. Zur (Un-)Zulässigkeit gängiger Wertungsmethoden, Vergabe Fokus 6/2016.
  2. Ferber. Vor- und Nachteile verschiedener Wertungssysteme, Vergabe Fokus 6/2016.
  3. Ferber. Das Rätsel „Preis-Leistungs-Verhältnis", Vergabe Navigator, Sonderheft 2016.
  4. Ferber. Was bedeutet „Preis-Leistungs-Verhältnis“ im Vergaberecht, blog.cosinex.de, 15.11.2016.  
  5. Ferber. Die Crux mit den Noten - Der Einfluss von Notenskalen auf das Zuschlagsergebnis, Vergabe Navigator, Heft 6/2016.
  6. Ferber in: Müller-Wrede, Malte (Hrsg.). VgV Kommentar (ISBN 978-3-8462-0556-3), 01/2017, § 58 Abs. 2 S. 1 VgV.
Im Folgenden möchte ich meine wichtigsten Aussagen dazu zusammenfassen und verweise auf die entsprechenden Zeitschriftenaufsätze bzw. mein Buch Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren.
  1. Die pauschale Kritik und die erheblichen Zweifel der Vergabekammer Südbayern an Bewertungsmethoden, bei denen eine Umrechnung des Angebotspreises in Preispunkte erfolgt (Bewertungsklasse III,  Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren S. 119ff.), wäre analog auf die Bewertungsmethoden der Bewertungsklasse IV (gewichtete Richtwertmethoden,  Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren S. 119ff.) übertragbar. 
  2.  Den Begriff des Preis-Leistungs-Verhältnisses, wie von der Vergabekammer Südbayern gefordert, sehr streng mathematisch als Quotienten aus dem Angebotspreis und der erreichten Leistungspunktzahl auszulegen, hätte erhebliche Konsequenzen auf die Ausschreibungspraxis. Denn dann wäre eine von 50% Preis und 50% Leistung abweichende Gewichtung nicht mehr praktikabel anwendbar.
  3. Die von der VK Südbayern aufgeführten Beispiele übersehen, dass die kritisierten Effekte durch das Verwenden von Mindestleistungspunktzahlen und Preisobergrenzen abgemildert bzw. ausgeschlossen werden können. Die Angabe von Mindestleistungspunktzahlen schützt vor leistungsschwachen Angeboten, eine Preisobergrenze schützt vor sehr leistungsstarken, aber sehr teuren Angeboten. 
  4. Die von der VK Südbayern zitierten konstruierten Beispiele sind im vorliegenden Fall überhaupt nicht allgemein anwendbar.  Einzelne Beispiele führen in der Regel nicht zu einer allgemeingültigen Aussage.
  5. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Um ein wirkliches Verständnis der Eigenschaften der Bewertungsmethoden zu erhalten, benötigt man eine grafische Veranschaulichung. Diese kann man durch die sogenannten Preis-Leistungsdiagramme bzw. gewichteten Preis-Leistungsdiagramme erhalten. Mit diesen Diagrammen sind dann auch Beispiele konstruierbar, die nicht auf Einzelfälle beschränkt sind.
  6. In vielen Ausschreibungssituationen werden bzw. können Kriterien nur mit einer Ordinalskala  bewertet werden. Bei der Ordinalskala gibt es zwar eine natürliche Rangfolge, über die Abstände zwischen den Rangplätzen kann aber keine Aussage getroffen werden. Mithin weisen die so ermittelten Leistungspunktzahlen im Allgemeinen ein nichtlineares Verhalten und damit auch kein proportionales Verhalten auf. Auch die einfache Richtwertmethode (Quotient aus Leistungspunkten und Angebotspreis) weist in solchen Fällen ein nichtlineares Verhalten auf. (Was bedeutet „Preis-Leistungs-Verhältnis“ im Vergaberecht, blog.cosinex.de, 15.11.2016.). 
  7. Die generelle Kritik der Vergabekammer Südbayern an der Preisquotientenmethode ist der nichtlineare Zusammenhang zwischen Leistung und Preis. Fraglich ist jedoch, ob ein nichtlinearer Zusammenhang gleich Unwirtschaftlichkeit bedeutet. Der Begriff der Wirtschaftlichkeit ist ein weiter Begriff, und der Zusammenhang zwischen Leistung und Preis ist nicht immer proportional bzw. linear. Je nach Zusammenhang kann es gerade sinnvoll sein, von einer linearen Betrachtungsweise bewusst abzuweichen, um die Wirtschaftlichkeit zu bestimmen. Durch das Eingrenzen des Preis- und Leistungsbereichs erreicht man auch hier eine Stabilität in den Bewertungsmethoden und nähert sich übrigens wieder der Linearität an. Eine Mindestleistungspunktzahl von 70-75% der maximalen Leistungspunktzahl schließt leistungsschwache und damit sehr billige Angebote aus, die dann den Preisterm Pmin/P massiv stören könnten. Auch diese Methode aus der Bewertungsklasse III ist in der Vergabepraxis unter Berücksichtigung der aufgezeigten Randbedingungen eine stabile Bewertungsmethode.
  8. Durch die Verwendung einer Ordinalskala kommt es in der Regel immer zu einer Abweichung der gewählten Gewichtung. D.h. auch bei der einfachen Richtwertmethode kommt es zu einer Veränderung der fixen 50%/50%-Gewichtung.
  9. Im Gegensatz zu der sehr engen Auslegung der Vergabekammer Südbayern kann der Begriff Preis-Leistungs-Verhältnis als übergeordneter Begriff für das wirtschaftlich günstigste Angebot verstanden werden, wenn Preis und Leistung bewertet werden sollen. Er findet sich auch so beschrieben im Erwägungsgrund 89 der Richtlinie 2014/24/EU. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dann letztendlich, wie im Gabler Wirtschaftslexikon beschrieben, das subjektive Empfinden über die Angemessenheit eines Preises im Vergleich zur Leistungsstärke des Angebots.
    Der Begriff "Preis-Leistungs-Verhältnis" muss sich dann nicht nur auf Formeln beschränken, die einen Quotienten aus Preis und Leistung eines Angebots betrachten.
  10. Die Wahl und die Anwendung von Notenskalen wirkt sich in der Regel wesentlich stärker auf das Zuschlagsergebnis aus als die von der Vergabekammer Südbayern kritisierten Effekte bei der Interpolationsmethode und der Preisquotientenmethode.
  11. Die von der Vergabekammer Südbayern kritisierten Bewertungsmethoden wie z.B. die gängige Interpolationsmethode (der günstigste Angebotspreis erhält die maximale Preispunktzahl, ein fiktives Angebot mit einem Angebotspreis vom Zweifachen des günstigsten Angebotspreises erhält 0 Punkte, dazwischen wird linear interpoliert), sowie das Verhältnissetzen der Angebotspreise (Preisquotientenmethode) sind unter Vorgabe von Mindestleistungspunktzahlen und Preisobergrenzen im Allgemeinen stabile und anwendungstaugliche Bewertungsmethoden und stehen nicht im Widerspruch zum Begriff "Preis-Leistungs-Verhältnis".
Literaturhinweise:
  1. Ferber in: Müller-Wrede, Malte (Hrsg.). VgV Kommentar (ISBN 978-3-8462-0556-3), 01/2017, § 58 Abs. 2 S. 1 VgV.
  2. Schäffer/Ferber. Zur (Un-)Zulässigkeit gängiger Wertungsmethoden, Vergabe Fokus 6/2016.
  3. Ferber. Vor- und Nachteile verschiedener Wertungssysteme, Vergabe Fokus 6/2016.
  4. Ferber. Das Rätsel „Preis-Leistungs-Verhältnis", Vergabe Navigator, Sonderheft 2016.
  5. Ferber. Was bedeutet „Preis-Leistungs-Verhältnis“ im Vergaberecht, blog.cosinex.de, 15.11.2016. 
  6. Ferber. Die Crux mit den Noten - Der Einfluss von Notenskalen auf das Zuschlagsergebnis, Vergabe Navigator, Heft 6/2016.
  7. Ferber. 9 1/2 Thesen zum wirtschaftlichsten Angebot, blog.cosinex.de, 22.6.2016. 
  8. Ferber. Ein neuer Begriff von Wirtschaftlichkeit, Vergabe Navigator, Heft 3/2016, S. 5-10.
  9. Ferber. Wie man Äpfel mit Birnen vergleicht – oder die Renaissance der UfAB II?, 21.1.2016
  10. Ferber. Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren, (ISBN 978-3-8462-0471-9), 10/2015 Bundesanzeiger Verlag.

Mittwoch, 16. November 2016

Seminar Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen am 08.12.2016 in Darmstadt

Das Seminar Praxisratgeber Vergaberecht - Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen behandelt die Besonderheiten der Bewertungskriterien und Bewertungsmatrizen in Vergabeverfahren:



  • Welche Kriterien sind neben dem Preis möglich und erlaubt? 
  • Transparenzgebot 
  • Die richtigen Kriterien finden, Wirtschaftlichkeit der Angebote 
  • Ausschlusskriterien, Bewertungskriterien, 
  • Gewichtung von Kriterien 
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • einfache Richtwertmethode, erweiterte Richtwertmethode, gewichtete Richtwertmethode 
  • Mittelwertmethode, Medianmethode, Referenzwertmethode 
  • Interpolationsmethoden, Preisquotientenmethode
  • Vor- und Nachteile, Besonderheiten der verschiedenen Methoden, Störanfälligkeit und Stabilität der Methoden 
  • Erstellen von Bewertungsmatrizen, Notenskalen 
  • Vermeiden von Komplexität, Analyse von Bewertungsmatrizen 
  • Auswertung mit Hilfe von Bewertungsmatrizen 
  • Rechtsprechung Beispiele und Tipps für die Praxis 













Die Vorteile der Seminarreihe Praxisratgeber Vergaberecht:
  • anschauliche und realitätsbezogene Darstellung
  • aktuelle Beispiele und Tipps aus der Praxis
  • kleine Gruppen mit maximal 10 Teilnehmern
  • Zeit für Fragen und Diskussionen
  • umfangreiche Seminarunterlagen als PDF


Die Buch- und Seminarreihe "Praxisratgeber Vergaberecht" versteht es, das Thema Vergaberecht aus dem Paragrafen-Dschungel zu befreien und anschaulich und realitätsbezogen darzustellen. Wer den Praxisbezug dieses eher trockenen Themas sucht, findet ihn hier.

Teilnahmegebühr:
Die Teilnahmegebühr beträgt pro Teilnehmer und Seminar 590,- Euro zuzüglich MwSt. (702,10 Euro inkl. MwSt.) und beinhaltet die Seminarunterlagen sowie Pausengetränke und ein Mittagessen.

Das Schulungsangebot der Firma Praxisratgeber Vergaberecht Thomas Ferber e.K. richtet sich ausschließlich an Unternehmen, juristische Personen des öffentlichen Rechts und öffentlich-rechtliche Sondervermögen und nicht an Verbraucher im Sinne des Gesetzes.




Seminartermine:
08.12.2016 in Darmstadt
16.02.2017 in Leipzig
09.03.2017 in Stuttgart
11.05.2017 in Leipzig
18.05.2017 in Stuttgart
22.06.2017 in Hamburg


Weitere Informationen zum Seminar und die Möglichkeit zur Anmeldung:

http://praxisratgeber-vergaberecht.de/seminar-bewertungsmatrizen.html


Montag, 14. November 2016

Vor- und Nachteile verschiedener Wertungssysteme in Vergabeverfahren

In der Ausgabe 6/2016 der Zeitschrift VergabeFokus beantworte ich häufig gestellte Fragen von Auftraggebern zum Thema „Wertungssysteme“. Des Weiteren findet sich im Heft 6/2016 eine kritische Entscheidungsbesprechung zum Beschluss (Z3-3-3194-1-28-07/16) der Vergabekammer Südbayern, die den Begriff des Preis-Leistungsverhältnisses sehr streng mathematisch als Quotienten aus dem Angebotspreis und der erreichten Leistungspunktzahl auslegt.

Vor- und Nachteile verschiedener Wertungssysteme


Frage 1: Mit den Änderungen durch die Vergaberechtsreform erfolgt die Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebots auf der Grundlage des besten Preis-Leistungs-Verhältnisses. Der Gesetzgeber hat es aber zugelassen, dass weiterhin eine Zuschlagsentscheidung nur auf Basis des Angebotspreises möglich ist. Wie passt das zusammen?

Frage 2: Das Vergaberecht wird oft dafür kritisiert, dass man das billigste Angebot nehmen müsse, obwohl man weiß, dass dieses Angebot nicht das wirtschaftlichste ist, da es höhere Folgekosten generieren wird. Ist diese Kritik berechtigt?

Frage 3: Was muss man tun, um Leistung, Qualität und Nachhaltigkeit mitbewerten zu können, oder anders gefragt, welches Mehr an Leistung rechtfertigt welchen höheren Preis?

Frage 4: Führt das Ganze nicht zu einer viel zu starken Mathematisierung des Vergaberechts?

Frage 5: Warum kann man bei der Zuschlagsformel Kennzahl = Leistungspunkte/Angebotspreis bzw. Kennzahl = Angebotspreis/Leistungspunkte Leistung und Preis nicht unterschiedlich gewichten?

Frage 6: Kann eine solche Gewichtung nicht mit der erweiterten Richtwertmethode gemäß UfAB (Unterlage für Ausschreibung und Bewertung von IT-Leistungen) vorgenommen werden? Wenn die einfache Richtwertmethode immer gleich 50 % Leistung und 50 % Preis gewichtet, dann müsste doch eigentlich die erweiterte Richtwertmethode mit einem Schwankungsbereich von 10% und der Leistungspunktzahl als Entscheidungskriterium einer Gewichtung von 60% Leistung und 40% Preis entsprechen.

Frage 7: Mit welchen Bewertungsmethoden kann man denn eine unterschiedliche Gewichtung von Preis und Leistung praktikabel umsetzen?

Frage 8: Dürfen die Interpolationsmethode bzw. die Preisquotientenmethode überhaupt noch angewendet werden?

Frage 9: Wie kann man die Bewertungsverzerrungen bei den Notenskalen verhindern?

Frage 10: Ist denn eine Notenskala mit 15 Punkten überhaupt noch praktikabel für den Auftraggeber umsetzbar, wenn er für jeden Punktwert eine Beschreibung liefern muss?

Frage 11: Bei manchen Kriterien sind aber beim besten Willen keine 15 Punkteabstufungen möglich. Wie geht man damit um?

Die Antworten zu den Fragen finden Sie in der Ausgabe 6/2016 der Zeitschrift VergabeFokus.
Sie können direkt beim Bundesanzeiger Verlag ein kostenloses Probeheft bestellen.


Weitere detaillierte Antworten zu den Themen Preis-Leistungs-Verhältnis, Preis-Leistungs-Bewertung, Gewichtung von Kriterien, Bewertungsmatrizen und Notenskalen finden sich in den folgenden Aufsätzen und Büchern:
  1. Ferber in: Müller-Wrede, Malte (Hrsg.). VgV Kommentar (ISBN 978-3-8462-0556-3), 01/2017, § 58 Abs. 2 S. 1 VgV.
  2. Schäffer/Ferber. Zur (Un-)Zulässigkeit gängiger Wertungsmethoden, Vergabe Fokus 6/2016.
  3. Ferber. Vor- und Nachteile verschiedener Wertungssysteme, Vergabe Fokus 6/2016.
  4. Ferber. Das Rätsel „Preis-Leistungs-Verhältnis", Vergabe Navigator, Sonderheft 2016.
  5. Ferber. Die Crux mit den Noten - Der Einfluss von Notenskalen auf das Zuschlagsergebnis, Vergabe Navigator, Heft 6/2016.
  6. Ferber. Ein neuer Begriff von Wirtschaftlichkeit, Vergabe Navigator, Heft 3/2016, S. 5-10.
  7. Ferber. Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren, (ISBN 978-3-8462-0471-9), 10/2015 Bundesanzeiger Verlag.
  8.  Ferber. Zuschlagsbewertung in der Praxis, Vergabe Navigator, Sonderheft 2015, S. 25-29.

Sonntag, 13. November 2016

Der Begriff Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergaberecht



Im Beschluss vom 30.8.2016 (Z3-3-3194-1-28-07/16) legt die Vergabekammer (VK) Südbayern den Begriff des Preis-Leistungs-Verhältnisses sehr streng mathematisch als Quotienten aus dem Angebotspreis und der erreichten Leistungspunktzahl aus. Dieses enge Verständnis des Begriffs "Preis-Leistungs-Verhältnis" hätte erhebliche Konsequenzen für die Vergabepraxis. Zu einer gänzlich anderen Auslegung des Begriffs "Preis-Leistungs-Verhältnis" kommt der Aufsatz Das Rätsel „Preis-Leistungs-Verhältnis", der im Sonderheft 2016 der Zeitschrift Vergabe Navigator erscheint.

Die von der Vergabekammer Südbayern kritisierten Bewertungsmethoden wie z.B. die gängige Interpolationsmethode (der günstigste Angebotspreis erhält die maximale Preispunktzahl, ein fiktives Angebot mit einem Angebotspreis vom Zweifachen des günstigsten Angebotspreises erhält 0 Punkte, dazwischen wird linear interpoliert), sowie das Verhältnissetzen der Angebotspreise (Preisquotientenmethode) sind unter Vorgabe von Mindestleistungspunktzahlen und Preisobergrenzen im Allgemeinen stabile und anwendungstaugliche Bewertungsmethoden und stehen nicht im Widerspruch zum Begriff "Preis-Leistungs-Verhältnis".

Im Gegensatz zu der sehr engen Auslegung der Vergabekammer Südbayern kann der Begriff Preis-Leistungs-Verhältnis als übergeordneter Begriff für das wirtschaftlich günstigste Angebot verstanden werden, wenn Preis und Leistung bewertet werden sollen.  Der Begriff "Preis-Leistungs-Verhältnis" muss sich dann nicht nur auf Formeln beschränken, die einen Quotienten aus Preis und Leistung eines Angebots betrachten.

Literaturhinweise:
  1. Ferber in: Müller-Wrede, Malte (Hrsg.). VgV Kommentar (ISBN 978-3-8462-0556-3), 01/2017, § 58 Abs. 2 S. 1 VgV.
  2. Schäffer/Ferber. Zur (Un-)Zulässigkeit gängiger Wertungsmethoden, Vergabe Fokus 6/2016.
  3. Ferber. Vor- und Nachteile verschiedener Wertungssysteme, Vergabe Fokus 6/2016.
  4. Ferber. Das Rätsel „Preis-Leistungs-Verhältnis", Vergabe Navigator, Sonderheft 2016.
  5. Ferber. Was bedeutet „Preis-Leistungs-Verhältnis“ im Vergaberecht, blog.cosinex.de, 15.11.2016. 
  6. Ferber. Die Crux mit den Noten - Der Einfluss von Notenskalen auf das Zuschlagsergebnis, Vergabe Navigator, Heft 6/2016.
  7. Ferber. 9 1/2 Thesen zum wirtschaftlichsten Angebot, blog.cosinex.de, 22.6.2016. 
  8. Ferber. Ein neuer Begriff von Wirtschaftlichkeit, Vergabe Navigator, Heft 3/2016, S. 5-10.
  9. Ferber. Wie man Äpfel mit Birnen vergleicht – oder die Renaissance der UfAB II?, 21.1.2016
  10. Ferber. Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren, (ISBN 978-3-8462-0471-9), 10/2015 Bundesanzeiger Verlag.